Die Idee und ihre Umsetzung
Es begann mit einer einfachen Frage: Wie kann in einem bestehenden Mehrfamilienhaus Solarenergie so genutzt werden, dass sie nicht nur Strom liefert, sondern auch echten Mehrwert für alle Bewohner schafft? Im Frühjahr 2024 wurde diese Frage in die Tat umgesetzt.
Das Objekt: ein Mehrparteienhaus mit sieben Wohneinheiten – fünf davon dauerhaft vermietet, zwei zu bestimmten Zeiten über Airbnb angeboten. Jede Wohnung verfügt über einen eigenen elektrischen Boiler mit rund 160 Litern Fassungsvermögen. Vor Projektbeginn bezahlte jeder Mieter seinen Warmwasserstrom individuell – eine Situation, die sich grundlegend ändern sollte.
Mit einer Photovoltaikanlage von 11 kWp, optimal nach Süden ausgerichtet und mit 50° Dachneigung, liefert die Anlage auch im Winter erstaunlich gute Erträge. Doch von Anfang an war klar: Die Anlage sollte mehr können, als nur Strom ins Netz einspeisen.
Vom Konzept zur intelligenten Steuerung
Die Idee war einfach, die Umsetzung komplex: Die Energie der Sonne sollte möglichst direkt in Warmwasser umgewandelt werden – ohne zusätzliche Temperatursensoren in den Bädern, ohne teure Umbauten. Eine frei programmierbare Steuerung (Wago-PLC) übernahm die intelligente Energieverteilung. Sie erkennt automatisch, wann welcher Boiler geladen werden kann, und nutzt dabei die aktuell verfügbare Solarleistung optimal aus.
Im Oktober 2024 wurde die Steuerung in Betrieb genommen. Seitdem arbeitet sie unauffällig, aber wirkungsvoll im Hintergrund: Sie kommuniziert mit dem Wechselrichter, liest alle acht Energiezähler aus und überwacht jeden Boiler individuell. Innerhalb weniger Sekunden erkennt sie, ob ein Boiler tatsächlich Leistung aufnimmt oder bereits vollgeladen ist.
- Maximierung der Eigenstromnutzung durch gezielte Warmwasserbereitung
- Senkung der Energiekosten für Mieter und Eigentümer gleichermaßen
- Gerechte und transparente Abrechnung durch individuelle Energiezähler
- Wartungsarme, modulare Systemarchitektur
- Erweiterbarkeit durch Softwareupdates und offene API-Anbindung
Ergebnisse nach neun Monaten Betrieb
Nach rund neun Monaten Laufzeit (Februar bis Oktober 2025) sprechen die Zahlen für sich. Bei einer Gesamterzeugung von 9 MWh Solarstrom ergibt sich folgende Energiebilanz:
| Bereich | Gesamtleistung | Davon Solarstrom |
|---|---|---|
| Warmwasserboiler | 4,2 MWh | 3,4 MWh 82 % PV |
| Allgemeinstrom & Wohnungen | 1,2 MWh | 0,6 MWh 48 % PV |
| Gesamtverbrauch | 5,4 MWh | 4,0 MWh 74 % PV |
Mehr als vier Fünftel der Warmwasserenergie und drei Viertel der Gesamtenergie stammen direkt von der Sonne – das bedeutet spürbar geringere Stromkosten und eine messbare Entlastung der öffentlichen Netze.
Gleichzeitig entsteht vollständige Transparenz: Jeder Zähler erfasst exakt, wie viel Energie in welchem Boiler verbraucht wurde – PV-Anteil und Netzstrom jeweils getrennt ausgewiesen.
Technik im Detail
Das Herzstück des Systems ist eine Wago-PLC, die über Modbus RTU (19200 Baud) mit einem Sofar 15 kW Drei-Phasen-Wechselrichter, acht Energiezählern und einem 14-Kanal-Temperaturmodul mit Pt1000-Sensoren kommuniziert. Die Software wurde in CodeSys entwickelt und kann vollständig remote gewartet, aktualisiert und überwacht werden – ein entscheidender Vorteil für den laufenden Betrieb.
Jeder der sieben Boiler ist individuell parametrierbar und unterstützt fünf Betriebsmodi: automatische Aufladung, PV-abhängige Ladung bei Überschussleistung, einmalige Sofortladung, permanente Aufladung (etwa bei Gästebelegung via Airbnb) sowie zeitgesteuerte Ladung mit konfigurierbarer Leistungsbegrenzung.
Eine integrierte API ruft regelmäßig Wetter- und Bewölkungsprognosen ab und liest österreichische Stromtarife im Viertelstundentakt ein. So reagiert die Steuerung nicht nur auf die aktuelle Sonneneinstrahlung, sondern auch auf Preissignale des Energiemarktes – in Zukunft soll die Einspeisung bei negativen Tarifen automatisch unterbrochen werden.
Wirtschaftlichkeit und Ausblick
Für die Mieter hat das Projekt konkrete finanzielle Vorteile gebracht: Die Warmwasserabrechnung erfolgt nun direkt über den Vermieter zu einem deutlich günstigeren Tarif als dem üblichen Netzstrompreis. Eine echte Win-Win-Situation – geringere Kosten für die Bewohner, schnellere Amortisation für den Eigentümer. Nach weniger als einem Jahr Betrieb zeichnet sich eine vollständige Amortisation der Gesamtinvestition in rund acht Jahren ab.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass intelligente Energieverteilung selbst in Bestandsgebäuden ohne aufwendige Umbaumaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden kann. Mit überschaubarem Aufwand entstand ein System, das zuverlässig arbeitet, Ressourcen schont und zugleich als solide Grundlage für zukünftige Erweiterungen dient: In weiteren Ausbaustufen sollen Wärmepumpen, Batteriespeicher und E-Mobilität integriert werden – ganz im Sinne einer ganzheitlichen, zukunftsfähigen Energienutzung.